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Die Innovation muss von außen kommen

20. April 2018

Was man von anderen lernen kann: Vortrag zum Thema „Innovationskraft“ im Studium Generale der DHBW Mosbach

 

Mit dem Format „Studium Generale“ will die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach Grenzen überwinden – fakultäts- und fächerübergreifend. Dass ein Professor dafür das eigene Fach verlässt und sich auf fremden wissenschaftlichen Feldern „tummelt“, erscheint da nur logisch.

„Ich bin in eine Welt eingetaucht, von der ich eigentlich keine Ahnung hatte.“ Prof. Dr. Dirk Saller stellt sein Licht keineswegs unter den Scheffel. Denn die Ahnungslosigkeit erwies sich letztlich zum Vorteil aller. Im Rahmen des DHBW-Angebots „Studium Generale“ ließ Saller eine erfreulich große Zahl von Zuhörern an den Erkenntnissen teilnehmen, die er in einem neunjährigen Projekt mit einem Sportwagenhersteller und einem Formel-1-Rennsportteam gewonnen hat.

Saller ist Studiengangsleiter für Angewandte Informatik. Nicht gerade ein Experte der Automobilbranche also. Was sich für das Projekt nicht als Nachteil erweisen sollte. War er doch gebeten worden, als Experte für Wissens- und Innovationsmanagement Innovationprozesse zu untersuchen. Erhellende Einblicke in die Denk- und Arbeitsprozesse des Rennsports verknüpfte er mit den Entwicklungen und Abläufen der Serienwagenproduktion. Immerhin bildeten die vier Räder der Produkte einen gemeinsamen Nenner. Sonst aber gab es große Unterschiede.

Bei dem Streben nach der technisch besten Lösung in der Entwicklung von Serienfahrzeugen stellte Dirk Saller einen Hang zur Abschottung fest. „Open innovation versus closed jobs“ titelte der DHBW-Professor deshalb seinen Vortrag. Aktive strategische Nutzung der Außenwelt aber vergrößere das Innovationspotenzial und verringere die Kosten. „Die Chancen durch die Beteiligung externer Experten wird bei den Entwicklungsverantwortlichen der Unternehmen erkannt, scheitert aber oft an kulturellen und organisatorischen Hürden.“ Schließlich spielten noch Ängste vor dem Verlust der eigenen Rolle mit.

Die Lösung beginnt also mit der Erarbeitung von Innovationsthemen im Unternehmen, wofür man gleich auch von außen kommende Experten identifiziert. Das – von außen kommende – Expertenwissen muss nun bewertet und gewichtet werden. „Mit der automatisierten Analyse ging’s schließlich auch um mein Sachgebiet, die Informatik“, schloss Saller den Kreis. „Dann müssen Entscheidungen gefällt werden, welche Verbesserungen denn machbar und finanzierbar sind.“

Am Beispiel des Rennsports zeigte er auf, dass jährlich wechselnde Vorgaben und Regeln Innovationssprünge anstoßen und fördern. Gemacht und überwacht werden müssen die Vorgaben von unabhängiger Stelle. Dieses Vorgehen sollte man so auf die Serienfahrzeugproduktion übertragen, denn Markt und Kunde könnten Innovationen häufig nicht selbst beurteilen, war Saller in seinem Fazit überzeugt. Dies belege auch die aktuelle Diskussion um saubere Diesel.

Da staunte nicht nur der Laie, sondern auch die Studierenden, die wie einige Professoren-Kollegen und neugierige Gäste im Audi Max der DHBW saßen. Mit Vorträgen und den darin vermittelten Erkenntnissen wie diesen möchte man den Studierenden an der DHBW die Nützlichkeit von fächerübergreifenden Phänomenen vor Augen führen. Was für die Duale Hochschule und die Automobilbranche zutrifft, lässt sich – davon ist auszugehen – in vielen weiteren Gebieten anwenden.

Am 26. April folgt der nächste Vortrag „Kennen wir den Kosmos? Eine philosophische Perspektive auf die moderne Astrophysik“. Zu Programm und Anmeldung: www.mosbach.dhbw.de/studium-generale.